Die Geschichte Chiemings

Über die Anfänge der Gemeinde ist nichts Näheres bekannt. Aus der Bronzezeit stammen die Überreste eines Kelten, die bei Bauarbeiten in Chieming auf dem Gelände der heutigen Bäckerei Stumhofer entdeckt wurden. Aus keltischer Zeit haben sich viele Fluss-, Berg- und Ortsnamen erhalten, wie Prien, Inn, Traun.

Um 15 vor Christus besetzten die Römer das Voralpenland, so auch den Chiemgau. In Chie-ming bauten die neuen Herren Villen auf dem leichten Höhenrücken, der sich vom Strandbad bis zum Unterwirtsgarten hinzieht wo im vorigen Jahrhundert Funde aus dieser Epoche gemacht wurden. Die Römer bauten in Eglsee, Pfaffing, Ising, Wald, Wimpersing und anderen Ortsteilen.

Unter den seit dem zweiten und dritten Jahrhundert ständig zunehmenden Angriffen der Germanen von Norden her brach das Römerreich schließlich zusammen; ab Mitte des fünften Jahrhunderts zog sich das offizielle Rom über die Alpen zurück. Es blieb aber ein großer Teil der römischen Landbevölkerung hier. Aus den Germanen, der zurückgebliebenen keltisch-römischen Landbevölkerung und aus während der Völkerwanderung durchziehenden Stäm-men entstand zwischen Donau und Alpen der Stamm der Bajuwaren. Als bekanntester steht Chiemo an der Spitze der Leute, die unserem Raum schließlich das Gepräge gaben. Chiemo muss so bedeutend gewesen sein, dass er dem Ort, dem See und dem ganzen Gau seinen Namen gab.

Nach Einzug des Christentums unter fränkischer Oberherrschaft gründeten fromme Frauen und Männer die ersten Klöster, wie der hl. Rupert in Salzburg. Der Legende nach ist Otto Scolarus, ein Schüler des Heiligen, im Chieminger See ertrunken. Herren- und Frauenchiemsee entstanden. Bonifatius reiste auf der alten Römerstraße durch die Gemeinde Chieming nach Salzburg und erneuerte dort das Bistum, dem der Chiemgau über 1000 Jahre lang angehörte. Zwischen 737 und 748 schenkte Herzog Odilo das Gut Usinga samt 14 Untertanen nach Salzburg. Dieser Salzburger Eigenbesitz wurde in den Breves Notitiae und im Indiculus Arnonis 788 und 790 registriert. Ising ist damit der zuerst urkundlich erwähnte Ort in der Gemeinde Chieming. Vor 800 sind auch Weidach, Stöttham und Kleeham entstanden. Leider fehlt bisher der Nachweis, dass Chieming mit dem Königshof ,,Chieminchhove", der 855 in einer Urkunde Kaiser Karls III. erwähnt wurde, identisch ist. Thauernhausen wird 930 erstmals urkundlich bestätigt.

Die Jahre 1120 bis 1140 und das ganze zwölfte Jahrhundert sind für die Geschichte der Ge-meinde von großer Bedeutung und bieten eine Fülle von Daten: 1120 sitzt Gottschalch in Stöttham, 1120 wird Chieming Pfarrei, Hart und Siedenberg werden erstmals erwähnt. Zahl-reiche weitere Einrichtungen in Chieming und seinen Ortsteilen, darunter viele Güter und Höfe, finden in diesem und dem folgenden Jahrhundert Erwähnung. 1473 erhielt Oswald Öder, Zöllner von Traunstein, einen Grund in Chieming am See, auf dem er einen ?Sitz" erbaute, der .,Neuenchieming" genannt wurde und als Kern des Chieminger Schlosses betrachtet wird. In der Landtafel Herzog Georgs des Reichen (1479-1503) taucht der Name .,Neuenchieming" erstmals als Hofmark auf. Die Ameranger von Sondermoning (heute Teil der Gemeinde Nußdorf, Landkreis Traunstein) waren die ersten Hofmarksherren. Als Georg Ameranger verstarb, wurde Neuenchieming kaiserliches Lehen.

Über Jahrhunderte waren die Bauern mehr als 35 verschiedenen, meist geistlichen Grundherren untertan, wie den Ortskirchen, dem Hochstift und Domkapitel zu Salzburg, mehreren Klöstern, vor allem dem Kloster Baumburg.

Am 12. Dezember 1800 zog die französische Armee unter General Moreau durch den Chiemgau. Das Ereignis schildert ein ?Augenzeugenbericht", der sich auf dem großen Votivbild in der Chieminger Kirche befindet. Die Säkularisation 1803 brachte das Ende der geistlichen Vorherrschaft und die Beschlagnahmung allen kirchlichen Besitzes. Nach der neuen bayerischen Verfassung wurden die alten Hauptmannschaften, Ruralgemeinden und Steuerdistrikte in selbständige Gemeinden umgewandelt. 1808 und 1818 erließ man Gemeindeedikte, durch die aus den alten Zusammenschlüssen Gemeinden im heutigen Sinn wurden.

Die Gemeindeverordnung von 1869 war für die Selbstverwaltung der neuen Körperschaften von großer Bedeutung. Es entstanden damals die Gemeinden Chieming, Hart, Tabing (seit 1961 Ising) und Oberhochstätt. 1972 wurden die Gemeinden Hart und Ising im Rahmen der Gemeindegebietsreform in die Gemeinde Chieming eingegliedert. 1983 kamen aus der früheren Gemeinde Oberhochstätt die Gemeindeteile Ober- und Unterhochstätt hinzu.

Quelle: Hans Seidel, Heimatforscher und Ortsheimatpfleger (V 1992)